Pfarrgemeinde- und Pfarrgemeinderats-Klausuren

16. 10. 2016 Pfarrklausur - Die neue PGR-Ordnung und ihre Auswirkungen

17. 10. 2015 Pfarrklausur im Kardinal König Haus Wien

Ein Tag zwischen Hochschulvortrag und Spielzeugschienenlegen.

    Der ehemalige Pfarrer der Pfarre Am Schöpfwerk Dr. Roland Schwarz erzählte von Urchristengemeinden und den beiden Dimensionen unseres Glaubens an Jesus Christus: Den historischen Menschen und den in uns lebendigen Christus.

    Am Nachmittag führte Johnny Weingast die Anwesenden auf die Geleise des "Zuges, der sich Gemeinde nennt". Erlebnisse und Ausblicke kennzeichnen den Weg, den Pfarrgemeinden miteinander beschreiten, bzw. "befahren".

    Ein gelungener Tag zwischen Vortrag und Spiel, zwischen Kopf und Hand, zwischen Theorie und Praxis von Gemeinden früher und heute. CK

11. Oktober 2014 Pfarrgemeindetag in Probstdorf/NÖ

Mitten im Nebel

Nach Tagen voll der Sonne, traf sich am Samstag, dem 11. Oktober ein kleines Grüppchen zur der heurigen Pfarrgemeindeklausur am Kirchenvorplatz. Die Bewerbung der Klausur fand offenbar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, denn so wenige waren wir schon lange nicht mehr. Doch schon Leopold Kohr formulierte seinerzeit: „Small is beautiful“, und siehe da, so ward es auch.

 

Es kam auch so, wie es kommen musste, wenn Engel reisen. Dichter Nebel verbarg den Charme der Tangente, die Weiten des Marchfeldes ließen sich kaum erahnen. Dort wo der Horizont sein sollte, waberte eine riesige weißgraue Wand auf den Feldern. Ein schöner Ausblick ist definitiv anders. Dennoch wurde das Ziel der Reise, der Klausurort, die Pfarre Probstdorf, ohne  größere Probleme erreicht. Unser Klausurbegleiter, Rainald Tippow, war schon vor Ort, fleißig werkend. Pfarrer Helmut Schüller empfing uns mit guter Laune und Kaffee. Dann ging es zum ersten Höhepunkt des Tages. Helmut Schüller erklärte uns den Kreuzweg, welcher in der Kirche - übrigens steinalt, bereits 1021 gegründet - an den Wänden präsentiert wird. Wenn der  Betrachter dabei an die Wotruba-Kirche erinnert wird, dann liegt er nicht so falsch. Denn der Erschaffer des Kreuzweges, Oskar Höfinger, war ein Schüler Wotrubas. Die einzelnen Stationen des Kreuzweges werden mit geschichtlichen Ereignissen des Ortes in Zusammenhang gebracht, und mit „beeindruckend“ eigentlich nur unzulänglich beschrieben.

 

Nach diesem, Neudeutsch „Highlight“ genannt, ging es zurück in die Niederungen des Alltags, sozusagen zur Knochenarbeit. Die Thematik war schlicht und einfach: wohin führt der Weg der Pfarre. Wobei bewusst darauf Wert gelegt wurde, das Thema der diözesanen Strukturgestaltung nicht zu berücksichtigen. Denn da ja kaum wer weiß, wie das Ergebnis der selbigen ausschauen wird, wollten wir uns auch das dazu notwendige „was wäre, wenn...“-Spiel ersparen. Es galt zunächst einmal herauszufinden, was unter dem Begriff „Pfarre“ verstanden wird. Ist es ein Ort der Tradition, ein Ort des Lebens christlicher Werte, ein Ort der Gemeinschaft und der Freunde, oder ganz einfach Heimat. Natürlich kann das alles zusammen gesehen werden, aber jeder der Teilnehmer mussten sich für einen der angeführten Begriffe entscheiden. Das Ergebnis war nicht unspannend, denn es zeigte, dass Hetzendorf mehr oder weniger das gleiche Ergebnis wie andere Pfarren auch erzielte. Schwerpunkt war Ort der Gemeinschaft und der Freunde.

 

Um Wege für die Zukunft zu finden, galt es auch zu artikulieren, bzw. definieren aus was besteht denn die Gemeinde überhaupt? Aus der Summe ihrer Mitglieder, der Sonntagsliturgie, aus dem Pfarrcafé? Dass da so einiges an Vorschlägen, Ideen und Aha-Erlebnissen, wie „was, das haben wir auch?“ zusammen kam, war zu erwarten, die mehr als rege Beteiligung daran ist als positives Zeichen anzumerken. In einem Rückgriff und Besinnung auf Gaudium et spes wurden wir von Rainald Tippow dazu angehalten,  Freude, Hoffnung, Trauer, Angst im Zusammenhang mit dem Pfarrleben zu artikulieren. Auch hier zeigte sich wiederum, dass wir uns nicht wesentlich von den Ängsten und Sorgen, sowie den Hoffnungen anderer Gemeinden unterscheiden. Als Beispiel für Hoffnung sei die Vielfältigkeit der Hetzendorfer, aber auch Papst Franziskus angegeben. Für Freude steht die rege Teilnahme an den Kinderwortgottesdiensten. Trauer machen u.a. die Fernbleibenden, jene die uns nicht auffallen, und bei der Angst haben wir sie wieder: die Strukturreform, aber auch das „Überbleiben“ im Alter.

 

Nach all dieser geistigen Schwerarbeit, war die Notwendigkeit einer Nahrungsaufnahme dringend gegeben, und so wurde im Nachbarort das Gasthaus aufgesucht. Dieses hieß Breineich, der Reim auf „steinreich“ war zwar zwingend, jedoch nicht durch unser Häuflein bedingt. Die Küche war deftig, das Bier war gut gezapft – so eine Pfarrklausur hat auch schöne Seiten. Da auch eine Mittagspause einmal enden muss, ging es am Nachmittag auf Basis des am Vormittag erarbeiteten Stoffes munter weiter. Munter im Sinne von „wie geht’s weiter“, was ist zu tun. Als Unterlage wurden uns zwei Varianten einer zukünftigen Entwicklung der Pfarre in die Diskussion mitgegeben.

Da war einmal zunächst das Modell „fresh expressions of church“, so werden in Großbritannien Gemeinden benannt die missionarisch, charismatisch Jüngerschaft und Kirchenbildung betreiben. Für Hetzendorf geeignet? Eher schwer vorstellbar (Meinung des Verfassers). Da wäre das Modell einer innovativen Kirche, die für ein kraftvolles Gotteslob, stärkende Kleingruppen und diakonisches Engagement steht, schon eher vorstellbar. Zumindest in Ansätzen bewegen wir uns auf diesem Weg.

 

Natürlich haben wir keine Patentlösung für die Zukunft gefunden. Wir waren uns aber einig, dass es vieler kleiner Schritte bedarf, um etwas Neues, vielleicht auch Großes, zu schaffen. Angefangen von der Schaffung von Glaubensplätzen durch die Pfarre, der bestehenden Notwendigkeit Caritas auszuüben, und damit verbunden das Erkennen von Notsituationen, um helfen zu können. Eine selbst gestaltete Zukunft ist auch mit der ständigen Suche nach neuen Glaubenszugängen verbunden. Charismatische Glaubenszugänge werden es wohl nicht sein, daher lässt sich die Frage, wie lässt sich Glauben dennoch ausdrücken, nicht vermeiden. Aber an eines sollten wir uns halten, nämlich an die nachstehenden Worte von Papst Franziskus:

 

„Jede beliebige Gemeinschaft in der Kirche, die beansprucht in ihrer Ruhe zu verharren, ohne sich kreativ darum zu kümmern und wirksam daran mitzuarbeiten, dass die Ärmsten in Würde leben können und niemand ausgeschlossen wird, läuft die Gefahr der Auflösung, auch wenn sie über soziale Themen spricht und die Regierungen kritisiert. Sie wird schließlich leicht in einer mit religiösen Übungen, unfruchtbaren Versammlungen und leeren Reden heuchlerisch verborgenen spirituellen Weltlichkeit untergehen.“ (Evangeli Gaudium 207)

 

Als der Tag dann zu Ende ging, war die Sonne wieder da. Zwar schon untergehend, aber den wilden Wein am Pfarrhaus in unglaublichen Rotschattierungen tauchend. Ja, wenn Engel reisen..., und die Kürbisse, am Straßenrand zum Verkauf feil geboten, hielten auch, was ihr prachtvoller Anblick versprach: Sie waren schlicht und einfach köstlich.

Günther Reisenauer