Rektorat Marianneum

Das Marianneum

Hetzendorfer Str. 117
1120 Wien


Heilige Messe täglich um 8.30 Uhr

Fotos: Markus Oetzelt

Mit seiner symmetrisch harmonischen Fassade strahlt das klassizistische Gebäude auf der Hetzendorferstraße 117 eine schulische Strenge aus, doch die Zwei wissen, was sich seit 1988 dahinter verbirgt: ein Exerzitien- und Bildungshaus der Katholischen Kirche.

 

Mit dem Gedanken an eine Schule liegt man aber nicht ganz falsch: Im Jahre 1882 wurde ein "Verein zum schuldenfreien Ausbau einer Erziehungsanstalt für arme Mädchen in Hetzendorf" gegründet, der ein Grundstück den "Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul" - auch "Barmherzige Schwestern" genannt - in Oberhetzendorf übergab. Diese ließen neben dem Hauptgebäude auch eine sehr interessante Kirche (Boergasse 1) errichten.

 

Der Architekt Ludwig Zatzka 1857-1925, Stadtbaumeister und Kommunalpolitiker im Kabinett Dr. Luegers, war ganz den Ideen seines großen Vorbildes, des Rathauserbauers Friedrich von Schmidt verbunden und entwarf eine kleine Backsteinkirche im neugotischen Stil, die - und das ist für die heutige Zeit relativ ungewöhnlich - auch im Inneren in ihrer ursprünglichen Formengebung erhalten ist.

Fotos: Markus Oetzelt
Der neogotische Altar
Fotos: Markus Oetzelt
Garten-Ansicht der Apsis

Ein neogotischer Altar zeigt die Figuren der Heiligen Familie (der die Kirche auch gewidmet ist), also Maria mit ihrer Mutter Anna und Vater Joachim. Der gesamte Komplex wurde "Marianneum" genannt.

 

Der jüngere Bruder des Architekten, der akademische Maler Hans Zatzka (1859-1949) schuf ein beeindruckendes Fresco des Weltgerichtes auf dem Triumphbogen, der den Altarraum vom Hauptraum trennt.

 

1918 wurde das Marianneum den "Lazaristen" überlassen, die hier ein Juvenat, also ein Knabenseminar, einrichteten. Später diente das "Marianneum" als Mutter-Kindheim und schließlich verbrachten dort auch Senioren ihren Lebensabend.

 

Alle diese verschiedenen Bewohner, Schülerinnen und Schüler, Schwestern und Patres konnten und können hier etwas Wunderbares genießen: einen der schönsten Gärten Hetzendorfs, wo unzählige Obstbäume gerade jetzt im Frühjahr in voller Pracht blühen. Wenn man heute als Gast - was leicht möglich ist, da das Marianneum auch Zimmer vermietet - den Garten betritt, fühlt man sich ein bisschen in das ländliche Hetzendorf zurückversetzt. Für das seelische Wohlbefinden sorgen die täglichen Messen (um 8 Uhr 30) des freundlichen Lazaristenpaters Rektor Dietmar Neumann.

 

Diesmal fügen die Zwei noch ein Postskriptum an, denn sie möchten nicht unerwähnt lassen, nach wem die Boergasse benannt ist: Dr. Johann Lukas Boer (1751-1835) begründete in Österreich die Geburtshilfe als eigenes Fach. Er leitete seit 1789 das "Wiener Gebärhaus" und schrieb unter anderem "Abhandlungen und Versuche geburtshülflichen Inhaltes". So kann man, wenn man die Geschichte des Hauses kennt, auch hier einen interessanten Zusammenhang herauslesen.

 

Fotos: Markus Oetzelt

Danke an Markus Oetzelt und Christian Locker ("die Zwei") für diesen Artikel, der einen guten Überblick über das Marianneum gibt. (Erschienen in der Wiener Bezirkszeitung Ausgabe 10 v. 7. 5. 2008)

Fotos: Markus Oetzelt

Gerüchte...

Die Priestergemeinschaft der Lazaristen (gegründet 1625 von Vinzenz von Paul) hat sich immer zum Ziel gesetzt für arme Menschen dazusein. Seit über 20 Jahren beherbergt das Nebengebäude des Marianneums arme Menschen (In- und Ausländer). Dieser völlig abgewohnte Gebäudeteil soll nun saniert werden und erhält Sanitärräume und eine den Vorschriften entsprechende Küche usw. Daneben wird in aufgelockerter Bauweise der bestehenden Bauordnung entsprechend eine ebenerdige Erweiterung angebaut. Ca. 20 Personen werden hier wohnen (wie bisher), aber eben in menschenwürdigen Zimmern mit Gemeinschaftsküche und mit Waschräumen...

Gerüchte, dass dort ein dreistöckiges Gebäude errichtet werden soll, oder dass dort Haftentlassene und Drogensüchtige untergebracht werden sollen entbehren jeder Grundlage.

(Hans Bensdorp)