Das Rosenkranz - Triptychon von Ernst Fuchs

Ernst Fuchs ist am 9. Nov. 2015 verstorben

Das Buch zum Triptychon ist im Pfarrbüro erhältlich

Kosten € 5,- exkl. Porto

 

 

 

 

 

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Hier in der Pfarrkirche zu Hetzendorf hängen drei große Bilder, die internationale Beachtung gefunden haben. Sie wurden bei der Biennale 1970 in Sao Paulo (Südamerika) mit einem Preis ausgezeichnet. Es handelt sich um ein zwischen 1958-1960 gemaltes Triptychon des Malers Ernst Fuchs, eines bedeutenden Vertreters der Wiener Schule des sogenannten "phantastischen Realismus", einer Wiener Abart des Surrealismus. Die Bilder sind je drei mal drei Meter groß und auf zwölf zusammengenähten Ziegenhäuten, die am Rande nicht beschnitten sind, in einer eigenen Mischtechnik gemalt. Es handelt sich also um eine Art Pergamentmalerei in großem Stil. Die Bilder stehen in keiner Beziehung zu einem Altar der Kirche, es sind also keine "Altarbilder", sondern sie hingen mit Schlaufen an Leichtmetallträgern, wie Standarten, frei im Raum der Kirche hinter dem Präsidium des Priesters. Sie geben den Titel der Kirche "Königin des hochheiligen Rosenkranzes" wieder und halten der Gemeinde die großen Ereignisse der Heilsgeschichte vor Augen. Es sind Unica insofern, als es nirgends anderswo ein Werk des Surrealismus von diesen Dimensionen im sakralen Raum gibt. Das Triptychon stellt die Geheimnisse des Freudenreichen, Schmerzensreichen und Glorreichen Rosenkranzes dar. Der Maler hat jeweils die Fünf Geheimnisse in einem einzigen, großen Bild dargestellt. Es handelt sich um theologische, nicht um historische Bilder. Sie wollen nicht darstellen, wie die Heilsereignisse geschehen sind, sondern was sich in ihrer Tiefe ereignet hat. Dass sie der Interpretation bedürfen, spricht nicht gegen sie; auch die großen Bilder früherer Epochen brauchen Einführung oder gewinnen durch sie. Die Rosenkranzbilder sind mit altmeisterlicher Genauigkeit ausgeführt

1979 wurden alle drei Bilder von einem "Bilderstürmer" schwer beschädigt. Nach Restaurierungsarbeiten sind die Bilder im April 1999 wieder in die Rosenkranzkirche zurückgekehrt.

Freudenreicher Rosenkranz

Am linken Bildrand steht der Engel der Verkündigung. Maria schreitet gesegneten Leibes über die Mondsichel, die diesmal verkehrt wiedergegeben ist und zugleich das Gebirge darstellt, über das Maria zu ihrer Cousine Elisabeth wandert. Mit ihren opfernden Händen bringt sie ihr Kind dem Herrn, wie im Tempel, dar. Das Kind, das sie geboren hat, ist, ähnlich wie das Prager Jesulein, mit einer Krone dargestellt, es segnet die Welt. Der gleiche Glorienschein verbindet das göttliche Kind und seine Mutter. Sie sind von der Sonne umkleidet.

Von den fünf Geheimnissen des Freudenreichen Rosenkranzes ist nur das Geheimnis der Auffindung im Tempel nicht dargestellt. Dafür hat der Künstler die Vision des zwölften Kapitels der Geheimen Offenbarung hereingenommen: der höllische Drache mit den Sinnbildern seiner Macht, den sieben Köpfen und Kronen und den zehn Hörnern und dem Schweif, der ein Drittel der Sterne vom Himmel fegt, bäumt sich gegen die Frau und ihr Kind auf. Der Engel aber entmachtet ihn, indem er ihm eine Amethystsäule in das Rückgrat stößt. Der Amethyst ist ein uraltes Mittel gegen die Trunkenheit, hier gegen den trunkenen Übermut des Satans. Dass der Engel drei Hände hat, darf nicht überraschen; sie versinnbilden nur die vielfache Macht Gottes, die sich durch seinen Boten auswirkt. In Wahrheit hat der Engel überhaupt keine Hände.

Der ernste Ausdruck des Gesichtes der Gottesmutter auf dem Bild des Freudenreichen Rosenkranzes ist durch die Gefährdung zu erklären, in der sie mit ihrem Kinde vor dem höllischen Drachen zu allen Zeiten steht.

Schmerzhafter Rosenkranz

Den Hintergrund bildet ein violettes Fastentuch, das mit den Ornamenten des flammenden Liebeskreuzes geziert ist. Das Kreuz ist als Lebensbaum wiedergegeben, es treibt an allen abgeschnitten Stellen, ja es bringt die Früchte der Gnade und Erlösung hervor. Auf dem Kreuze steht der Erlöser, der seine Hände opfernd ausbreitet wie der Priester am Altar. Die hebräische Inschrift "Jehoschua" - Jesus im Nimbus, deutet an, dass der Herr gerade durch seinen Kreuzestod zum Erlöser der Menschheit geworden ist.

Das Kreuz ist als Entscheidungszeichen aufgerichtet. Jeder Mensch muss sich an ihm entscheiden, ob er sich zur Rechten, auf Seite Mariens, oder zur Linken, auf Seite des Satans, stellen will.

Maria ist in echt christlichem Widerstreit des Herzens dargestellt. Sie wendet sich entsetzt von dem furchtbaren Tod ihres Sohnes ab, opfert aber dennoch mit einer ähnlichen Geste wie der Gekreuzigte sein Opfer mit. Statt Johannes, der üblichen Assistenzfigur des Kreuzes, ist zur Linken des Gekreuzigten dargestellt, was das Kreuz bewirkt: die Entmachtung des Satans. Er fährt wie ein züngelnder Blitz vom Himmel herab und stößt mit seinem Genick auf der Erde auf. Bei diesem Absturz wird er aus einem Engel des Lichtes in ein Unwesen, ein Monstrum, verwandelt, mit erloschenen Augen und mehrfachen Hörnern. Sein Sold ist der Tod. In seinen Händen hält er die Geißel und den Stab, mit dem dem Herrn die Dornenkrone aufgedrückt wurde. Er steht verantwortlich hinter dem Leiden des Herrn, die römischen Soldaten waren nur die Handlanger.

Von den fünf Geheimnissen ist nur die Kreuztragung nicht dargestellt. Das dornengekrönte, in ergebenem Todesschlaf versunkene Haupt des Herrn widerspiegelt sein entsetzliches Leiden. Einen "schönen" Gekreuzigten gibt es nicht!

Glorreicher Rosenkranz

Dieses Bild ist das schwierigste von allen, denn es muss darstellen, "was kein Auge geschaut hat".

Mit weit ausgespannten Armen und Beinen steht Christus, der Auferstandene, vor uns. Er sendet mit erobernder Geste sein Heil, das aus seinen Wunden, seinem Leiden bricht, in alle vier Weltgegenden hinaus. Von seinem Haupte geht wie sieben Feuerflammen der in sieben Gaben sich schenkende Heilige Geist aus, auch Jesus sendet ihn.

Das Gewand des Auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Herrn ist mit dem Granatapfelmuster geziert. Der Granatapfel ist wegen der Fülle seiner Kerne ein Sinnbild für die Überfülle der Erlösung. Der Maler will sagen: der Erlöser kommt mit der Fülle seiner Gnade auf uns zu. Auch aus seinem Mund bricht das Licht, denn er hat uns auch sein Wort erlöst.

An seiner Stirn trägt er ein Mal wie der Gefirmte, er ist der mit dem Geist Gottes Gesalbte, der "Christos" schlechthin. Sein Untergewand ist das Gewand des Hohenpriesters, mit Glöckchen verziert, denn er ist der einzige gültige Hohepriester der Menschheit. Die Davidsterne darauf bedeuten, wie die Stammtafel beim Evangelisten Matthäus: Jesus ist der Messias, der verheißene Edelspross aus dem Hause David.

Vor ihm kniet Maria, auf einer Wolke in den Himmel aufgenommen, in die Herrlichkeit ihres Sohnes hineingenommen. Die Magd des Herrn kniet und empfängt das Heil vom Herrn. Wie schön entsprechen einander die zwei Gesten: der männliche, schenkende Christus und die frauliche, empfangende Maria. Um das Haupt der "Mutter der schönen Liebe" leuchten die Flammen der Liebe. Über ihrem Haupt schwebt die Krone der Herrlichkeit, mit der sie von ihrem Sohn gekrönt wird. Sie ist die Magd als Königin, fürbittend und auf den Knien mitherrschend zugleich. Ihre fast tänzerische Bewegtheit drückt die himmlische Freude ihres Herzens aus. Wie auf den anderen Bildern ist Maria auch hier als Bild der Kirche dargestellt. Der Erlöser und die erlöste Menschheit sind also das Thema des dritten Rosenkranzbildes.

Die Zerstörung der Bilder 1979

Am 21. September 1979 riss ein Geistesgestörter nach dem Frühgottesdienst die Bilder von den Aluminiumaufhängungen herab und beschädigte sie durch zahlreiche Messerschnitte schwer. Die geplante Verbrennung mit Hilfe von Benzin konnte zwar von der Polizei verhindert werden, die Bilder wurden aber fast bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

 

Um ein Schrumpfen der zerschnittenen Bildteile zu verhindern, wurden die Gemälde in einem Atelier auf eigens konstruierten riesigen Metalltischen gelagert und mit Steinen beschwert. Ihre Restaurierung war ungemein kompliziert und kostspielig.

 

Ein zinsenlosen Darlehen der Erzdiözese Wien und einige Subventionen und private Spenden haben die Restaurierung der Bilder ermöglicht.

Das letzte Bild (der schmerzhafte Rosenkranz) ist im April 1999 in die Kirche zurückgekehrt.

 

Die Gesamtkosten der Restaurierung beliefen sich auf mehr als ATS 850.000,- (€ 62.000,-)

Fotos der Galerie oberhalb: Joe Pala und Gottfried Löhnert