Pfarrer

Foto: Christian Kraus

 

Pfarr-Moderator

 

Karol Giedrojc

 

und die Pfarre Hetzendorf

heißen sie auf unserer Homepage

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Karol Giedrojc - Fünf Jahre Hetzendorf

 

- - - Erinnerungen an die Installation am 3. Okt. 2010:

Ich kann mich erinnern an den Schlüssel, der mir in die Hand gedrückt wurde beim Kirchentor.

Bischofsvikar Rühringer hat mich in die Kirche begleitet und Hans Bensdorp hat beim Gottesdienst zu mir positiv zum Ausdruck gebracht:

„Ja, du wirst sicher vieles anders machen, als ich.“ (Karol lacht herzlich).

 

- - - Was war vor deinem Amt als Pfarrmoderator hier in Hetzendorf?

Ich war davor drei Mal Kaplan: in Osttirol, in Oberlaa und in Mauer. Als Pfarrer ändert sich dann sehr viel, nicht nur im Arbeitsbereich, sondern auch in der Einstellung zu den Menschen. Als Kaplan kann man mit mehr Spaß und Offenheit handeln. Doch als Pfarrer, oder auch als Pfarr-Moderator, wird man mehr beobachtet.

Und so ändert sich auch ein wenig die Beziehung zu den Menschen, weil man mehr Verantwortung trägt.Man erfährt viel Freude aber auch Kritik und das muss man in Kauf nehmen.

Ich denke, ich habe inzwischen sehr viel gelernt. Ein wenig durch Kurse (Pfarrbefähigungskurs, etc) und sehr viel durch Begegnungen. Beispielsweise das Leiten und Begleiten, dass man Menschen zusammen bringt, Ideen einholt, Ideen vermittelt, Entscheidungen trifft und den Mut hat, etwas klar auszusprechen.

Ich mag auch die Kritik, selbst wenn sie manchmal wirklich unangenehm ist. Ich habe sie immer mit Demut angenommen, manches hat mich gestört, aber ich hab darüber nachgedacht und so die Kritik positiv bearbeitet. Und das ist sehr wichtig. Johannes vom Kreuz hat einmal gesagt: „Gute Kritiker sind die besten Freunde, sie sind ehrlich und helfen dir zu wachsen.“

 

- - - Pflegst du noch Kontakt zu früheren Pfarren?

Mit Osttirol und meinen ehemaligen Innsbrucker Ministranten hab ich telefonisch ein wenig Kontakt, mit den Männern aus Oberlaa fahre ich immer nach Schladming Schifahren und ich war auf Priesterexerzitien mit dem Pfarrer von Mauer, Georg Henschling.

 

- - - Wie war deine Stimmung, als du nach Hetzendorf gekommen bist?

Durch manche Erfahrungen in vergangenen Pfarren hatte ich ein bisserl Angst, einen streithaften Pfarrgemeinderat leiten zu müssen, aber Gott sei Dank:

In Hetzendorf ist alles ein bisserl anders!

Die Menschen sind offen und sprechen zueinander direkt und nicht hinter dem Rücken. Das ist sehr wichtig und dadurch bleibt eine gesunde Luft in den Beziehungen. Natürlich haben wir in diesen ersten Jahren auch Streit erlebt, aber Hetzendorf hat eine gute demokratische Basis und das gefällt mir sehr!

 

- - - Wie erlebst du deine Berufung als Priester hier in Hetzendorf?

Ich denke, man muss als Priester nicht unbedingt für die Leitung einer Pfarre geboren sein, aber ich versuche über die Dinge nachzudenken, und sie ein bisserl ins Gebet zu bringen.

Dass man das Ganze auch in einem anderem Licht betrachtet: Was wichtig ist, was so läuft und ob es sinnvoll ist, was wir getan haben? Der Mensch müht sich ab, manchmal sinnvoll, manchmal ganz ohne Sinn.

Der liebe Gott gibt uns Gott sei Dank Distanz zu Vielem. Und dieser geistliche Blick hilft oft, gibt Hoffnung auf der Suche nach einem Sinn für das Ganze. Das stille Nachdenken, Beten und Meditieren habe ich in meiner Zeit im Jesuitenorden schätzen gelernt.

 

- - - Bist du in Hetzendorf schon „Zu Hause“?

Ich war früher so eingestellt, dass ich immer dort zu Hause bin, wo ich arbeite. Aber das war nur theoretisch! Praktisch ist das anders.

Erst wenn man der Funktion gewachsen ist, wenn man sich wohlfühlt mit den anderen, und wenn der persönliche Austausch dazukommt. Dann denke ich mir, kann ich mich zu Hause fühlen.

Ich muss ehrlich sagen, ich hab mich ein bisserl entfernt von der kirchlichen Mentalität  in Polen Ich hab über vieles für mich persönlich nachgedacht: Glaubensleben, Ökumene oder auch der Zölibat.

Dieser führt bei manchen Priestern eigentlich zu einem unchristlichen Weg, weil dadurch zugelassen wird, sich von Beziehungen zu „vertschüssen“. Und der christliche Weg ist doch - also so wie ich meinen Glauben verstehe - für Beziehungen Verantwortung zu übernehmen.

Ich finde, dass die Pfarre Hetzendorf in der Glaubensentwicklung sehr weit ist und die Zukunft der Pfarre sieht aus meiner Sicht viel erfreulicher aus, als in vielen anderen Pfarren Wiens.

Das - hier will ich Dank sagen - ist auch ein Verdienst von meinem Vorgänger Hans Bensdorp, dass er diesen  gemeinschaftlichen Stil so lange Zeit gepflegt hat.

 

- - - Hast du einen Lieblingsplatz in Hetzendorf?

Die Rosenkranzkirche selber. Sie hat eine besondere Fähigkeit, Liturgie zu gestalten: sie ist groß für kleine Prozessionen und doch nicht zu groß für kleine Feiern. Das ist großartig, sowohl für die Gemeinde als auch für einen Priester. 

Und ich mag eigentlich sehr viele Plätze hier in der Gegend.

Nur zum Einkaufen fahre ich aus Hetzendorf hinaus, weil, wenn ich hier einkaufen gehe, treffe ich immer jemanden, und dann redet man mindestens eine halbe Stunde. (Karol lacht herzlich)

 

- - - Hast du Hobbies?

Mich hat immer so interessiert: „Glaube in der heutigen Gesellschaft“. Daher lese ich gerne Bücher zu kirchenpolitischen Themen.

Manchmal spiele ich Tischtennis und fahre viel mit dem Rad. Wenn ich ein oder zwei Stunden Zeit habe, fahre ich in den Maurer Wald einfach so spazieren, das ist toll!

Ab und zu gehe ich auch den von mir so genannten „Kaplan Hübel-Weg“, das heißt: zum Friedhof. Kaplan Hübel hat angeblich dazu gesagt, er geht „mit den Seelen sprechen“.

 

- - - Wo siehst du dich selbst in 5 Jahren?

Ich will in Hetzendorf bleiben, weil ich denke, eine Amtsposition sollte dauerhaft und langfristig sein. Nur so kann man etwas herausarbeiten.

Wenn der Pfarrer zu oft wechselt, ist das schlecht für die Pfarre selbst. Er investiert in  Beziehungen, in Kontakte, in den Pfarrgemeinderat und muss dann in der nächsten Pfarre alles wiederholen.

Das dauert mindestens drei bis vier Jahre, bis er auch die lokale Mentalität kennenlernt. Ich hab das in Tirol festgestellt.

 

 

- - - Danke für das Gespräch und noch viele schöne Erlebnisse in der Hetzendorfer Gemeinde wünscht Christian Kraus

Sie können das Interview auch HIER downloaden für Ihren Ausdruck
150927 Karol INTERVIEW 5 Jahre Hetzendor
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KAROL TOMASZ GIEDROJC

 

(Selbstbeschreibung zur Amtseinführung unseres Pfarrers Dr. Karol Giedrojc durch Bischofsvikar Prälat Karl Rühringer am Sonntag, 3. Oktober 2010, um 9:30 Uhr)

 

Ich bin 1967 in Polen, in Elblag geboren. Meine Mutter war jahrelang Lehrerin und mein Vater Hoch- und Tiefbau Ingenieur. Ich habe nur einen Bruder und er arbeitet als Manager beim Helwett-Packart. Nach dem Gymnasium, 1986 bin ich in die Gesellschaft Jesu eingetreten. Ich wollte eigentlich nicht in ein Priesterseminar eintreten. Mir war es wichtig, mein Leben mit einer guten Spiritualität zu konfrontieren. Deswegen habe ich einen Orden, die Gesellschaft Jesus, gewählt. Nach dem zweijährigen Noviziat in Gdynien ging ich nach Krakau.

Dort habe ich 1992 das Philosophiestudium mit Studienabschluss und Lizenziatarbeit im Bereich der Religions- und Kulturphilosophie abgeschlossen. Meine Oberen haben mich für zwei Jahre nach Rom zur Arbeit im Radio Vatikan geschickt: Das war eine interessante Erfahrung. Das erste Jahr in Rom war schwierig, das zweite sehr gelungen. Ich habe dort viel gelernt und sowohl die Weltkirche als auch die Aktivität des Papstes ziemlich gut kennen gelernt. Bis heute bin ich in Kontakt mit einigen Freunden im Radio Vaticana. 1994-97 studierte ich Theologie in Warschau, abgeschlossen mit dem Magistertitel.

Die Warschauer Erfahrung war nicht leicht, weil das ganze Programm der Theologie auf drei Jahre konzentriert wurde. Die nächsten fünf Jahre 1997-2003 verbrachte ich in Innsbruck für mein Doktoratstudiums über Eric Voegelin im Bereich der Christlichen Soziallehre. 1998 wurde ich in Warschau zum Priester geweiht.

Ich wollte immer nach Polen zurückkommen und mich mit einem Projekt, oder einer Lehre im Bereich des Sozialen beschäftigen. Mein Provinzial hat mich nach Thorn destiniert, wo ich als Pastoralseelsorger für die Studenten arbeiten sollte. Ab diesem Moment fing meine Krise mit dem Orden an, die bis heute dauert. Ich habe um die sog. Exklaustrierung, d.h. eine Art Aufenthalt außerhalb des Ordens gebeten. Da meine Beziehungen, Freundschaften und pastorale Erfahrungen mit Tirol verbunden waren, habe ich die nächsten drei Jahre in Tirol, bzw. in Osttirol verbracht. Die Pastoralarbeit hat mich dort sehr begeistert. Nach drei Jahren in Osttirol habe ich mich entschieden zurück zum Orden zu kommen und zwar aus Sehnsucht nach einer weiteren Bildung. Unverbindlich habe ich bei verschiedenen Projekten der Kath. Sozialakademie Österreich mitgearbeitet. In den letzten drei Jahren habe ich als Kaplan in Oberlaa und in Mauer gedient.

Meine priesterliche Erfahrung beschränkt sich aber nicht auf Österreich, ich habe auch in Italien und in der Schweiz in verschiedenen Pfarren oder bei geistlichen Exerzitien ausgeholfen.

In den letzten Jahren habe ich langsam verstanden, dass es für mein priesterliches Leben besser wäre, sich von den Strukturen des Ordens zu trennen, und seit kurzem bin ich mit der Erzdiözese Wien durch die Inkardination enger verbunden.

Persönlich interessiere ich mich für Philosophie, Literatur, Sport, Kulturreisen und moderne Gesellschaft. Ich freue mich auf die Pastoralarbeit in Hetzendorf und auf Menschen, die dort wohnen. Ich bin überzeugt, dass unsere gemeinsamen Projekte, Gebet, Gottesdienste und das Miteinander für die kommenden Jahre Gottes Segen empfangen werden.


Karol Giedrojc (im Oktober 2010)